Elf neue BürgerInnen der Stadt Graz

Feierliche Urkunden-Überreichung im Rathaus. Elf GrazerInnen, die sich um die Stadt besonders verdient gemacht haben, wurden am 12. Mai 2016, zu BürgerInnen der Landeshauptstadt Graz ernannt. Die gesamte Stadtregierung, zahlreiche VertreterInnen des Hauses Graz sowie Verwandte und FreundInnen der Geehrten waren zur Festsitzung des Gemeinderates in den zweiten Stock des Rathauses gekommen, um der feierlichen Honoration beizuwohnen. Mit den fünf Damen und sechs Herren gibt es nun insgesamt 121 Persönlichkeiten, die den Bürgerbrief der Stadt Graz erhalten haben.

Festsitzung

Unter den Fanfarenklängen von Waldemar Bloch zogen die Festgäste – darunter auch Ehrenringträger Prof. Kurt Jungwirth und Ehrenbürger Alt-Bürgermeister Alfred Stingl – in den Gemeinderatssaal ein. „Eine Gesellschaft braucht Menschen mit Begeisterung und Talent. Sie braucht Menschen mit Charakter und Ausdauer, die ihre Kreativität leben und mit Freude an der Tat sind. Menschen, die Einfühlungsvermögen und Empathie für ihre Mitmenschen haben, Menschen, die uns ein Vorbild sind. Unsere Gesellschaft braucht Menschen wie Sie“, betonte Bürgermeister Mag. Siegfried Nagl in seinen Eröffnungsworten und fügte hinzu: „Wenn jede und jeder auf dem Platz, auf dem sie oder er sich befindet, sein Bestes gibt, wandelt sich das eigene Leben und das Leben der Umgebung zum Guten. Danke, dass Sie das Leben in Ihrer Umgebung so positiv beeinflussen!“

Der Menschenrechtsexperte

Univ.-Prof. Mag. Dr. Wolfgang Benedek wurde, der alphabetischen Reihenfolge nach, als erster aufgerufen. Der 1951 in Knittelfeld geborene Universitätsprofessor für Völkerrecht promovierte an der Karl-Franzens-Universität Graz als Doktor der Rechte und Magister der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Durch seine Initiative und Unterstützung kam es zur Gründung der „Refugee Law Clinic“ an der Universität Graz und zu Menschenrechtszentren an den Universitäten von Sarajewo und Prishtina, die ihn auch mit Ehrendoktoraten auszeichneten. Heute leitet Benedek das 2009 gegründete Europäische Trainings- und Forschungszentrum für Menschenrechte und Demokratie der Universität Graz und ist seit 2011 Mitglied des Menschenrechtsbeirates der Stadt Graz.
Der Bildungspionier

Unter den heute zu BürgerInnen der Stadt Graz ernannten Persönlichkeiten war auch ein Pionier im Bildungsbereich vertreten: Univ.-Prof. i.R. Dr. Peter Bierbaumer startete die erste zweisprachige Schule in Graz – die „Graz International Bilingual School“ (GIBS). Anglistik und Germanistik in Wien, Russisch am Dolmetschinstitut, Englische Philologie, Doktor der Philosophie in Graz – ein Sprachentalent durch und durch. Ab 1982 lehrte und forschte Bierbaumer in den Bereichen historische Linguistik und Fremdsprachen, leitete die Abteilung für Sprachausbildung und Didaktik und etablierte den Studiengang „Europa: Sprachen, Wirtschaft und Recht“. 1986 wurde er zum Vorstand des Instituts für Anglistik bestellt und ist bis heute Ehrenpräsident der Vereins zur Förderung der GIBS. Trotz Ruhestand setzt der 1942 in Admont geborene Vater zweier Töchter seine Unterrichtstätigkeit zumindest teilzeitmäßig fort.
Die Direktorin mit Sprachleidenschaft

Ein Monat in England als junge Schülerin – das war wohl der Auslöser der Englisch-Leidenschaft von Mag.a Elisabeth Christina Fleischmann. Die 1946 in Linz geborene Direktorin der GIBS a.D. studierte Englisch und Leibeserziehung in Wien und Graz. In Hamburg war sie Mitbegründerin eines Kindergartens und Gründerin der alternativen Modellschule. Zurück in Graz führte sie eine bilinguale Klasse im BG/BRG Kirchengasse ein. Mit dieser Erfahrung war sie die Richtige für das Team von Univ. Prof. Dr. Peter Bierbaumer, der in Graz gerade das „Experiment” GIBS startete. Fleischmann führte das Projekt durch alle Schwierigkeiten zum Erfolg: Seit 1999 gilt die GIBS nun als eigenständige Schule, und die Direktorin, die nun im wohlverdienten Ruhestand ist, kann auf 19 gelungene Jahre als Pionierin der Schulentwicklung zurückblicken.

Die Stimme der Ursulinen

Viele Kinder und junge Frauen wurden von ihr fürs Singen begeistert: Mag.a Sr. Maria Regina Kaser war über 40 Jahre lang als Lehrerin und Chorleiterin bei den Ursulinen tätig. Die 1938 in Wien geborene Ordensschwester war Volks- und Hauptschullehrerin, bevor sie ans Gymnasium der Ursulinen wechselte. Mit 21 Jahren schloss sie sich dem Orden an und studierte Musik, Gesang und Orgel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Mit ihrer noch aus frühester Kindheit stammenden Begeisterung für Chöre prägte sie das Gymnasium jahrzentelang, Auftritte in Rundfunk und Fernsehen rundeten ihr Wirken ab. Obwohl bereits seit 1998 im Ruhestand, gründete Schwester Maria Regina den Absolventinnenchor der Ursulinen Graz, der unter dem Namen „Resurrexit” u.a. immer wieder auf Benefizkonzerten zu hören ist.

Die Kämpferin gegen Menschenhandel

Dr.in Helga Konrad wurde 1948 in Graz geboren, studierte ebenda Romanistik und Anglistik und promovierte zur Doktorin der Philosophie. Während sie 13 Jahre lang die Steirische Kulturinitiative leitete, wuchs ihr Interesse an der Politik – vor allem an der Frauenpolitik. Ihr Engagement als Gemeinde-, Stadt- und Nationalrätin führte zur Ernennung zur Bundesministerin für Frauenangelegenheiten, als welche sie nicht nur bei der UNO-Weltfrauenkonferenz, sondern auch beim Weltkongress gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern federführend war. Konrad war Vorsitzende des EU Stabilitätspaktes Task Force gegen Menschenhandel für Südosteuropa und berät seit 2006 als internationale Konsulentin Regierungen, Behörden und internationale Organisationen im Kampf gegen den Menschenhandel.
Direktorin mit Visionen

Mit 27 Jahren begann Mag.a Dr.in Carmen Kratzer ihre Laufbahn als Professorin an der Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe Graz Schrödingerstrasse. Aus einer engagierten Junglehrerin wurde eine Klassenvorständin, Bildungsberaterin und Betreuungslehrerin für UnterrichtspraktikantInnen – bis sie im April 1995 als visionäre Direktorin das Ruder in die Hand nahm. Zahlreiche Erneuerungen, eine Generalsanierung und der Ausbau der Höheren Lehranstalt führten zu einem regelrechten Boom der Schule. Durch harte Verhandlungen mit Wirtschaft, Politik und Kammern gelang es der 1951 in Graz geborenen Direktorin a.D., verschiedene Zusatzqualifikationen für ihre SchülerInnen anbieten zu können: Mittlerweile sind es rund 16 österreich- und europaweit anerkannte Zertifikate!
Der Dekan der Wissenschaft und Bildung

Univ.-Prof. Dr. Maximilian Liebmann-Holzmann studierte an der Karl-Franzens-Universität Graz. Er promovierte zum Doktor der Theologie, war als Religionslehrer an Volks-, Haupt- und Allgemeinbildenden Höheren Schulen tätig und erhielt für seine Habilitationsschrift den Kardinal Innitzer Förderungspreis für Theologie. Nach einer Gastprofessur an der Universität in Klagenfurt mit dem Thema „Kirche und Nationalsozialismus in Österreich“ wurde er zum Ordentlichen Universitätsprofessor für Kirchengeschichte der Karl-Franzens-Universität Graz bestellt. Von 1991 bis 1999 war er Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät und seit 2002 ist er emeritierter Universitätsprofessor. Der 1934 in Mellach geborene Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät a.D. ist verheiratet und hat drei Söhne.
Der Stachel des Gewissens

Durch ihn gedachte man im österreichischen Bundesheer erstmals nicht nur den gefallenen Kriegshelden, sondern auch den Opfern militärischer Gewalt: Oberst i.R. Manfred Oswald verschrieb sein Wirken im Bundesheer dem Menschenrechtsgedanken. Dem 1940 in Graz geborenen Oberst ist es etwa zu verdanken, dass am Schießstand Feliferhof eine Gedenktafel an die Opfer der Massenerschießungen zu Kriegsende errichtet wurde. Nach seiner kaufmännischen Ausbildung absolvierte er die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt. In seiner 35-jährigen Karriere, die ihn bis zur Position des leitenden Fernmeldeoffizier des Militärkommandos Steiermark führte, trat er permanent für eine zeitgeschichtlich fundierte Erinnerungskultur ein, weshalb ihm auch der Menschenrechtspreis des Landes Steiermark und das Goldene Ehrenzeichen der Stadt Graz verliehen wurden.
Die Kammerschauspielerin

Schon von Kindesbeinen an war es der sehnlichste Wunsch von Gerti Pall, Schauspielerin zu werden. Deshalb besuchte sie nach der Handelsakademie die Schauspielschule, ihr erstes Engagement hatte sie im Schauspielhaus Graz als Lieschen in Raimunds „Alpenkönig und Menschenfeind“. Weitere Verpflichtungen führten sie unter anderem nach Stuttgart, Frankfurt, Hannover, sie wirkte auch bei den Wiener Festwochen mit. Seit 1972 gehört sie dem Ensemble des Grazer Schauspielhauses an, dessen Stütze sie immer war. Ihr Repertoire reicht vom klassischen Schauspiel bis hin zur Moderne. In zahllosen markanten Frauenrollen gelang es ihr immer wieder, das Publikum durch ihre schauspielerischen Leistungen hinzureißen und unvergessliche Theaterabende zu bescheren. Als Anerkennung für ihre großartige künstlerische Spannweite erhielt sie 2002 das Goldene Ehrenzeichen der Landeshauptstadt Graz.
Der visionäre Unternehmer

KommR DI Ulrich Santner studierte an den Technischen Universitäten Wien und Graz Wirtschaftsingenieurwesen. Nach einem zweijährigen Aufenthalt als Forschungsassistent der Purdue University in Indiana heiratete er Margaretha Platzer, die Enkelin des Anton Paar-Gründers. 1963 übernahm er als Geschäftsführer das Unternehmen – mit der Vision, die besten Messgeräte der Welt zu bauen. Durch die enge Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschungseinrichtungen hat sich der ehemalige kleine Schlossereibetrieb mit seiner Spezialisierung auf Geräte für Dichtemessungen, Konzentrationsmessungen, Rheometrie und Co2-Messungen zum Marktführer mit Niederlassungen in Europa, Asien und Amerika und 1.900 MitarbeiterInnen (900 davon in Graz) entwickelt. Seit 2003 ist die gemeinnützige Santner Privatstiftung, die die Forschung auf dem Gebiet der Naturwissenschaften und der Technik sowie die Vorbeugung gegen Suchterkrankungen und die Rehabilitation auf diesem Bereich fördert, Eigentümer der Anton Paar GmbH.
Der erfolgreiche Schmuckdesigner

Schmuck ist für Dr. Hans Schullin ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. So eröffnete der gelernte Uhrmacher, der in Wien Welthandel studiert hat, 1972 ein stillgelegtes Edelsteingeschäft am Graben in Wien. In den 90er-Jahren zog es ihn nach Graz zurück. So wechselte er mit seinem Bruder die Standorte, übernahm das Stammhaus und eröffnete weitere Filialen in Velden, Klagenfurt und Zürs. Im eigenen Schmuckatelier werden raffinierte Einzelstücke mit viel Know-how und Leidenschaft gefertigt, um die hohen Ansprüche seiner KundInnen zu erfüllen. Unzählige Designerpreise, Auszeichnungen für Schmuckstücke sowie laufende Ausstellungen in Museen spiegeln den Erfolg des Familienunternehmens wider. Doch nicht nur als Unternehmer machte Dr. Schullin auf sich aufmerksam, sondern auch als „Schloßberg-Beauftragter“, zuletzt mit der Ausstellung „Der Berg ruft 2.0″ und als Stellvertreter des Tourismusverbandes.
Dankesworte

Im Namen der Geehrten ging Dr. Benedek ans Rednerpult. „Es ist schön, Bürger, Bürgerin einer so besonderen Stadt zu sein, wie Graz es ist. Menschenrechtsstadt, City of Design, Universitätsstadt … und dazu auf Rang drei der lebenswertesten Städte Europas, wie das Eurobarometer bestätigt. Es ist uns eine Ehre, aber auch eine große Verantwortung, uns als Bürger und Bürgerin in die Stadt einzubringen und wir versprechen, dass Sie auch in Zukunft auf uns zählen können.“

Fotocredit: Stadt Graz/Fischer