Ganztagesgruppen an Grazer Schulen: Zusatzangebot im Freizeitteil fast verzehnfacht

Die ganztägige Schulform (Nachmittagsbetreuung) erfreut sich an Grazer Schulen weiter steigender Beliebtheit. Im aktuellen Schuljahr 2016/17 gibt es in Graz insgesamt 202 Gruppen, die eine Ganztagesform in getrennter oder verschränkter Abfolge anbieten. Zusätzlich zu den allgemeinen Betreuungsgruppen gibt es im Freizeitteil die Möglichkeit, Zusatzangebote für die Schülerinnen und Schüler zu schaffen. Diese Gruppen werden im großen Ausmaß vom Land Steiermark und Bildungslandesrätin Ursula Lackner gefördert. „Diese und weitere Maßnahmen sind zusätzliche Ressourcen zum Bildungssystem, die effektiv sind und für alle Kinder wirken“, so Lackner.

Steigerung um 124 Gruppen

„Unser Ziel als Stadt Graz ist es, unseren Kindern eine bestmögliche Nachmittagsbetreuung anzubieten. Dazu braucht es einerseits die entsprechende Infrastruktur, andererseits aber vor allem auch das entsprechende pädagogische Personal“, weiß Bildungsstadtrat Kurt Hohensinner. Im vergangenen Jahr wurde das Personal und damit rund 300 Mitarbeiter in eine städtische GmbH übernommen und die Nachmittagsbetreuung in diesem Bereich auf neue Beine gestellt. „Die Übernahme der GTS durch die Stadt Graz ist mehr als nur gelungen. Vielmehr noch konnten wir mit Hilfe des Landes auch das Zusatzangebot im Freizeitteil massiv ausbauen“, erklärt Hohensinner. Waren es im vergangenen Schuljahr noch 16 Zusatzgruppen in der Nachmittagsbetreuung, so werden heuer über das gesamte Stadtgebiet insgesamt 140 Gruppen mit Zusatzförderung angeboten. „Das ist eine Steigerung von 124 Gruppen im Vergleich zum Vorjahr und entspricht fast einer Verzehnfachung des Angebots“, ist der Bildungsstadtrat stolz.

Der Umfang der Unterstützungsmaßnahmen reicht von Sport über Leseförderung bis hin zur sonderpädagogischen Förderung. „Die neuen Zusatzgruppen sind eine wesentliche Unterstützung für die Pädagoginnen und Pädagogen vor Ort. Unser Ziel ist natürlich, alle Schulen nach ihren Wünschen optimal zu unterstützen. Neben klassischen Förderangeboten (Sprache, Lesen, usw.) wollen wir auch die besonderen Begabungen der Kinder unterstützen. Dafür gibt es eine Vielzahl von interessanten Angeboten“, so Hohensinner abschließend.

Das Angebot im Detail:

Sportförderung

In 49 Gruppen wird Sportförderung angeboten. Der Fokus des Programms richtet sich vor allem auf die Bewegungsabläufe. Die Kinder erhalten hierbei eine wichtige Unterstützung im Turnbereich durch professionelle Trainer die von den drei großen Sportverbänden gestellt werden.

Sprachförderung

Ebenfalls 32 Gruppen nehmen an einer Sprachförderung teil, die professionell vom Verein „Deutsch und Mehr“ organisiert wird. Hierbei wird besonders darauf geachtet, dass die Kinder eine sinnvolle Ergänzung zum ohnehin bestehenden Angebot erhalten. Einmal pro Woche findet im Rahmen der Nachmittagsbetreuung ein Kurs im Ausmaß von zwei Stunden statt. Zielgruppe der Sprachfördermaßnahme sind Volksschulkinder mit nicht-deutscher Muttersprache und Sprachförderbedarf. Der Fördermaßnahme liegen theoretische und methodische Grundlagen aus der Linguistik und der Theaterpädagogik zugrunde. Ziel der Sprachförderung ist die aktive Förderung der sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten der Kinder. Diese im Volksschulalter angesetzte Maßnahme soll als präventive Maßnahme zur Verminderung von Sprachbarrieren dienen und so spätere Probleme, die sich aus mangelnden Sprachkenntnissen ergeben, verhindern bzw. reduzieren. Die positiven Ergebnisse aus dem letzten Jahr (16 Gruppen) sprechen für eine gute Wirksamkeit in diesem Setting. Die Sprachtests zeigen eine deutliche Verbesserung aller getesteten Kinder. Sie verbesserten sich im Durchschnitt um 2 bis 2,5 Stufen in den Kategorien Hören (+2), Sprechen (+2,5), Lesen und Schreiben (jeweils +2,3).

Neben den beiden großen Bereichen Sprach- und Sportförderung (insgesamt 81 Gruppen) gibt es noch zahlreiche kleinere Projekte aus den Themenfeldern Naturwissenschaft, Musik und Talenteförderung sowie sozialpädagogische Förderung, soziale Kompetenz und Unterstützungspersonal. Insgesamt 59 Gruppen werden aus diesen Bereichen angeboten.

Talenteförderung

Darunter befinden sich auch die Kurse der Begabungsakademie Steiermark deren Ziel es ist, Kindern und Jugendlichen in unterschiedlichen Themenfeldern ein Angebot zur Talentförderung zu machen. Die Kurse finden wöchentlich an acht Volksschulen in Graz statt, bestehend aus maximal zwölf Teilnehmern. Die Auswahl der Kinder für die einzelnen Kurse ergibt sich durch persönliche Interessensmeldung der Eltern und andererseits durch Empfehlungen der betreuenden Lehrpersonen. Qualifizierte Pädagoginnen und Pädagogen mit einer Affinität zur Begabungs- und Begabtenförderung coachen die Kinder in ihren Interessensbereichen.

Lern- und Leseförderung

Die Stärkung der Sprach – und -Lesekompetenz wiederum verfolgt das Projekt „Like“ des Österreichischen Roten Kreuzes. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler werden zwei Mal pro Woche in Kleingruppen betreut. Ziel ist es den Vormittagsunterricht optimal zu ergänzen und die Zeit bei Bedarf auch für die Wiederholung von Unterrichtsinhalten, Vorbereitung auf Test und Schularbeiten oder Unterstützung bei der Hausübung zu verwenden. Der inhaltliche Bedarf wird auf die jeweilige Kleingruppe abgestimmt.


 

Naturwissenschaftliches Forschen

Ein weiteres spannendes Projekt wird von der ARGE Kiwi angeboten. Die Arge KIWI forscht wöchentlich gemeinsam mit den Kindern zu verschiedenen naturwissenschaftlichen Themen. Das selbständige Handeln der Kinder steht im Vordergrund, die Kinder werden motiviert, Fragen zu stellen, Lösungen durch geeignete Experimente zu finden und Erlebtes zu dokumentieren. Alltagsphänomene werden auf spannende Weise untersucht und dadurch das Interesse und die Freude am Entdecken und Erforschen gefördert, zugleich der Umgang mit einfachen wissenschaftlichen Geräten erlernt.

Insgesamt ist durch den starken Ausbau des Angebots und die Vielzahl an verschiedenen Möglichkeiten ein gelungener Mix an unterschiedlichen Aktivitäten an den Grazer Schulen möglich. Viele Interessen der Kinder können damit bedient werden. Gleichzeitig ist niemand gezwungen daran teilzunehmen. Oberste Prämisse bleibt, dass die Schulen auch ein Unterstützungspersonal wünschen und die Angebote aktiv in Anspruch nehmen.

 

Zusätzlich zum Ausbau der Nachmittagsbetreuung bieten Land und Stadt auch weitere Unterstützungsmaßnahmen für die Schulen an:

MUT – Mobiles Unterstützungsteam für steirische Bildungseinrichtungen

Im Februar 2016 hat das MUTeam seine Arbeit aufgenommen – ein flexibles und vernetzend agierendes Angebot des Landes Steiermark, das steirische Pflichtschulen und elementare Bildungseinrichtungen dabei unterstützt, auf gesellschaftliche Veränderungen und Herausforderungen adäquat zu reagieren. MUT ist für die Schulen kostenfrei und besteht aus einem Kernteam als Servicestelle sowie einem Pool aus erfahrenen ExpertInnen aus verschiedenen Fachbereichen.

Schulsozialarbeit ausgebaut

Mit Beginn dieses Schuljahres hat das Land Steiermark die Schulsozialarbeit ausgebaut. Zu den 60 SchulsozialarbeiterInnen, die sich in diesem Jahr an mehr als 100 Schulen im ganzen Land 60.000 Stunden lang um die steirischen SchülerInnen gekümmert haben, sind weitere drei dazu gekommen. Damit baut die Steiermark ihre österreichweite Vorreiterrolle aus. Nirgendwo sonst in ganz Österreich kümmern sich so viele SchulsozialarbeiterInnen so intensiv um so viele SchülerInnen. Mehr als die Hälfte der Kosten finanziert das Land, 40 Prozent tragen die Sozialhilfeverbände bzw. die Stadt Graz.

30 zusätzliche LehrerInnen für die Schuleingangsphase

Um den Kindern den Wechsel vom Kindergarten in die Volksschule zu erleichtern, individualisierte Förderung sowohl von Kindern mit Aufholbedarf als auch von Begabten zu ermöglichen – und damit auch die LehrerInnen in ihrer eigentlichen Aufgabe zu unterstützen – verstärkt Bildungslandesrätin Ursula Lackner in diesem Schuljahr den LehrerInneneinsatz in der Schuleingangsphase, indem sie 30 zusätzliche Dienstposten zur Verfügung stellt.

Dolmetschpool

Für Elterngespräche, Elternabende, für begleitende Gespräche beim Schuleintritt und für Übersetzungsleistungen (in schriftlicher Form zur Kommunikation mit Eltern) stehen Eltern ohne oder mit nur geringen Deutschkenntnissen Dolmetscher zur Verfügung. Ansuchen und Vermittlung über das MUTeam. Das Land Steiermark hat dafür 40.000 Euro bereitgestellt.