Gut gerüstet für die Kältewelle: „Niemand muss in Graz frieren“

Nach dem Schneefall kommt die Kälte. Aktuelle Wetterberichte zeigen: Ab Sonntag wird es in und um Graz richtig kalt. Sogar Temperaturen bis zu minus 15 Grad werden prognostiziert. Das aktuelle Wetter ist nicht nur für den Verkehr eine große Herausforderung, sondern auch für das Grazer Sozialressort. Schon in den vergangenen Tagen wurden Vorkehrungen für die kältesten Tage des Jahres getroffen. „In Graz muss niemand frieren oder bei diesem Wetter auf der Straße schlafen“, sagt Sozialstadtrat Kurt Hohensinner, „wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und sind für die kommende Kältewelle gut gerüstet. Wir haben in der steirischen Landeshauptstadt gemeinsam mit unseren Partnern ein sehr engmaschiges, soziales Netz geknüpft. Vor allem im Bereich der Notschlafstellen verfügen wir über ein breites Angebot, das wir gemeinsam mit Vinzi und der Caritas bereitstellen können.“

Ausreichend freie Plätze

Die Stadt Graz verfügt über ein vielfältiges und differenziertes Angebot im Bereich von sozialen Wohnunterbringungen. Über Frauen- und Männerwohnheim stellt die Stadt Graz selbst rund 125 Plätze zur Verfügung. Dazu kommen folgende Angebote von Caritas und Vinziwerken.

  • VinziTel: 25 Plätze
  • Haus Rosalie (vorrübergehende Wohnversorgung von obdachlosen, inländischen Frauen): 15 Plätze
  • Vinzinest (Nachtschlafstelle für obdachlose ausländische Männer): 80 Plätze
  • Vinzischutz (Nachtschlafstelle für obdachlose ausländische Frauen): 24 Plätze
  • Vinziherz (Notschlafstelle für obdachlose ausländische Familien mit Kindern): 40 Plätze

SUMME Vinzi Einrichtungen: 184 Plätze

  • Caritas Winternotschlafstelle: 40 Plätze
  • Caritas Arche 38: 47 Plätze
  • Caritas Haus FranzisCa: 34 Plätze
  • Familienwohnungen d. Caritas: 20 Plätze
  • Caritas Jugendschlupfhaus: 14 Plätze
  • Ressidorf: 20 Plätze

SUMME Caritas Einrichtungen: 175 Plätze

Insgesamt gibt es in Graz also rund 480 Schlafplätze, davon 355 in den diversen Notunterkünften. „In Vorbereitung auf die kommenden Tage haben wir uns ein Bild über die noch freien Kapazitäten gemacht. Derzeit gibt es noch ausreichend freie Plätze“, erklärt Hohensinner. So gibt es im Frauenwohnheim noch 19, und in den Notunterkünften noch 51 reguläre Schlafplätze (Caritas: 31, Vinzi: 20).

Vielfältiges Maßnahmenpaket

Auch neben den Notunterkünften wurden von Seiten des Sozialressorts weitere Maßnahmen vorbereitet. So wird etwa in den kommenden Tagen die mobile Sozialarbeit (Streetwork) verstärkt Dienst versehen, um potentiell obdachlose Menschen aufzusuchen und zu unterstützen. Dafür wurden spezielle Hilfspakete mit Thermo-Schlafsack, Isomatten, etc. angekauft. Rund 75 Stück stehen für die Hilfe in derartigen Akutfällen zur Verfügung. Aber auch die breite Bevölkerung ist gefordert: Gemeinsam mit der Caritas wurde nach Wiener Vorbild und auf Initiative von Sozialstadtrat Kurt Hohensinner heuer erstmals ein Kältetelefon eingerichtet, das seit 4. Dezember zur Verfügung steht. „Graz hat eine ungemein starke und engagierte Zivilgesellschaft. Wir bitten hier auch die Bürgerinnen und Bürger um ihre Mithilfe. Wer einen obdachlosen Menschen auf der Straße wahrnimmt, kann über diese Hotline die Caritas informieren, damit in akuten Notlagen schnell und unkompliziert geholfen wird. Caritas-Mitarbeiter und Freiwillige nehmen dann Kontakt mit diesem Menschen auf.“ Erreichbar ist das Telefon unter der Nummer 0676/88015 111 zwischen 19 und 24 Uhr. (Infos: www.caritas-steiermark.at/kaeltetelefon).

Erfolgreiches Kältetelefon

Dass das Kältetelefon bestens funktioniert zeigen auch die Zahlen der vergangenen Wochen. Stand heute sind:

70 Anrufe bei der Hotline eingegangen

65 Ausfahrten des freiwilligen Teams

8 hilfsbedürftige Personen in Notschlafstelle gebracht

40 Versorgungspakete übergeben

11 mal Einsatz und niemanden am Ort angetroffen

6 mal „bereits bekannte“ Personen vor Ort angetroffen

8 Fälle an mobile SozialarbeiterInnen der Stadt Graz geleitet

876 Stunden von ehrenamtlichen HelferInnen geleistet

44 betreute Personen

41 Männer, großteils zw. 30+40 Jahren (60 % Österreicher, 40 % andere Staatsbürgerschaft)

3 Frauen, zw. 28-32 Jahren (Österreicherinnen)

Verfügbarer Stand an Schlafsäcken:      71

Thermoskannen:  ausreichend

Hilfskette im Notfall

„Nach jetzigen Einschätzungen sind wir für die kommenden Tage sehr gut vorbereitet. Aber auch für den absoluten Ernstfall haben wir bereits Vorkehrungen getroffen“, weiß Sozialstadtrat Kurt Hohensinner, „für diesen Fall wurde bereits eine Hilfskette aus mehreren Maßnahmen vereinbart, die dann in Kraft treten würde.“ So könnten in den Einrichtungen von Caritas und Vinzi durch Notbetten noch zusätzliche 20 Plätze geschaffen werden. „Und auch wir im Sozialamt würde eine Notfallwohnung mit weiteren 10 Plätzen öffnen. Das heißt wir könnten auf Knopfdruck weitere 30 Plätze aktivieren, um einem Engpass zu begegnen“, erklärt Hohensinner. Auch die Vinziwerke haben bereits vorgearbeitet: So hat Obmann Peter Pratl bereits den aktiven Kontakt zu zahlreichen Grazer Pfarren gesucht, so dass auch von diesen im Ernstfall zusätzliche Betten zur Verfügung stehen würden.

Energiekostenzuschuss für SozialCard

Neben den Akut-Maßnahmen steht für das Grazer Sozialressort natürlich auch die Prävention im Vordergrund. So gibt es auch heuer wieder den Energiekostenzuschuss für SozialCard-Bezieher. Ein entsprechender Gemeinderatsantrag wurde in der vergangenen Sitzung einstimmig angenommen. Auch in diesem Jahr beträgt die Zuzahlung zu den Energiekosten 65 Euro pro Haushalt. Der Zeitraum der Online-Beantragung für den Energiekostenzuschuss beginnt am 1. März und läuft den ganzen Monat bis 31. März. Die Auszahlung erfolgt Anfang April. Daneben unterstützt etwa die Akutintervention der Sozialarbeit bei akuten Problemen, wie Stromnachzahlungen, drohenden Delogierungen, etc.