Stadt Graz präsentiert neue Bildungsstrategie 2025

5 Handlungsfelder, 20 Programmideen und 43 Projektziele – Das sind die Kennzahlen der neuen Bildungsstrategie 2020-2025. „Die Bildung unserer Kinder ist der wichtigste Rohstoff unserer Zeit. Deshalb braucht es gerade hier eine klare Strategie und Rahmenbedingungen mit denen die zahlreichen Partner bestmöglich arbeiten können“, ist Bildungsstadtrat Kurt Hohensinner überzeugt und sieht Parallelen zu einem Wald: „Auch wer für einen Wald verantwortlich ist, denkt in Generationen. Bäume werden gepflanzt. Ihren Ertrag werden einmal Kinder, Enkel oder gar Urenkel nutzen können. Für das Wachstum eines Waldes sind viele Faktoren und Zustände verantwortlich. Auch in der Bildung sind die Kompetenzen verteilt. Als Schulerhalter kümmern wir uns um einen guten Nährboden, eine Bildungsgrundlage, und versuchen so aktiv an einer blühenden Zukunft mitzuwirken.“

Gutes Abschlusszeugnis für abgelaufene Strategie
„Mit dieser Bildungsstrategie wollen wir uns selbst, aber auch allen wesentlichen Partnern, wie Bildungsdirektion, Wissenschaft, Wirtschaft, etc. einen klaren Rahmenplan und Leitfaden vorlegen“, erklärt Hohensinner. Dabei wurde vor allem auf den positiven Erfahrungen der letzten Bildungsstrategie „Bildung findet statt“ aufgesetzt. Über 90 Prozent der darin enthaltenen Maßnahmen und Projekte wurden umgesetzt, darunter Vorreiter- und Best-Practice-Beispiele wie der Teachers Award (gemeinsam mit der IV Steiermark), der Stärkenpass oder das IBOBB-Cafe zur Bündelung der Kompetenzen in der Berufsorientierung. Besonders hervorzuheben ist darüber hinaus die Schaffung der Bildungsservicestelle, die alle Bildungsanfragen, Anmeldungen, etc. an einem Ort gebündelt hat. Nachhaltig geprägt wurde und wird die Bildungslandschaft vor allem durch das starke Ausbauprogramm. Über 100 Millionen wurden in den Schulbau investiert und über 1.500 Kinderbetreuungsplätze seit 2014 zusätzlich geschaffen. Auch in Sachen Digitalisierung hat sich Graz einen Ruf weit über die Stadtgrenzen hinaus erworben. Mit der Grazer IT-Strategie wurden alle Schulstandorte digitalisiert und mit leistungsstarker Infrastruktur ausgestattet.

Digitalisierung, Stärkenorientierung, und vieles mehr
Auch in der neuen Bildungsstrategie 2025 nimmt das Thema Digitalisierung einen besonderen Stellenwert ein. So ist der „Digitale Wandel“ auch eines von fünf Handlungsfeldern. Neben den digitalen Kompetenzen in den Bildungseinrichtungen, ist dabei auch die Begleitung der Eltern ein wichtiges Thema. Auf Verwaltungsebene soll ein Bildungsdatencockpit zusätzlichen Komfort bringen. Auch die erfolgreiche Arbeit im Handlungsfeld „Stärkenorientierung“ wird fortgesetzt. Für Hohensinner ist hier vor allem das Bekenntnis der Stadt Graz zu ihren Mittelschulen ein Highlight: „Wir wollen hier den begonnenen Weg der Schwerpunktsetzungen (Holz, Musik, Sport) weitergehen und eine stärkere Profilbildung der Schulen ermöglichen.“ Ein wesentliches Handlungsfeld ist und bleibt die „Wachsende Stadt“. Neben weiteren Investitionen in Räumlichkeiten wird hier vor allem der immer stärker spürbare Pädagogenmangel eine große Herausforderung sein. Die Stadt will hier neue Wege bestreiten, insbesondere im Bereich Aus- und Weiterbildung. Weitere Handlungsfelder:
„Moderner Bildungsraum“ und „Servicequalität“. Die gesamte Strategie wird darüber hinaus von mehreren Grundprinzipien getragen, etwa der Förderung aller Begabungen, der Rolle der Familie oder Individualität und Zugänglichkeit.

Leuchtturmprojekte
Exemplarisch für die zahlreichen Maßnahmen werden hier einige Leuchtturmprojekte der Bildungslandschaft 2025 dargestellt:
Handwerkliche Schwerpunktmittelschulen
In der Sekundarstufe I (Mittelschulen) soll in Graz ein zusätzlicher Fokus auf die Förderung handwerklicher Fähigkeiten in Form von Schwerpunktmittelschulen gelegt werden. (Stichwort Nachwuchsproblem Facharbeiter) Derzeit existieren mit der Holz-MS, der Digital-MS, der MS Musik, der MS mit Naturwissenschaftlichem Schwerpunkt, der Sport-MS und künftig der Kreativ-MS bereits sechs Schulen mit pädagogischer Schwerpunktsetzung. Weitere Schulen (Schwerpunkte Metallverarbeitung, Elektronik/Elektro, Gesundheit/Soziales, Handel, Tourismus/Lebensmittel sowie Baugewerbe) sollen folgen und in Kooperation mit regionalen Wirtschaftstreibenden umgesetzt werden. Um die Durchgängigkeit der Ausbildung zu fördern, sollen dazugehörende dislozierte PTS-Klassen zur Steigerung der Wirksamkeit an den Schwerpunktmittel-schulstandorten errichtet werden.

Digitale Kompetenzen in der Grazer Bildungslandschaft fördern
Längst ist die digitale Welt auch schon bei vielen Kleinkindern angekommen. Umso wichtiger ist daher der richtige digitale Erstumgang in Kibibet-Einrichtungen. Es sollen Piloteinrichtungen gefunden, Positionierung zur Digitalisierung im Elementarbereich erarbeitet, verpflichtende Schulungen zu diesem Thema angeboten, Grundregeln entwickelt werden. Ziele sind hier vor allem die Sensibilisierung der Eltern und der richtige, aktive Zugang an Stelle von passivem Digitalkonsum. Wichtig: Nicht die Anwendung soll trainiert werden, sondern die Kinder und vor allem Eltern sollen den sensiblen Umgang lernen. Die Fortsetzung findet im Digitalen Klassenzimmer statt, mit der Evaluierung der Grazer Bildungs-IT-Strategie, laufender Abstimmung mit dem 8-Punkte-Plan für den digitalen Unterricht und weiterer Bedarfe mit der Bildungsdirektion und der Pädagogischen Hochschule, Schulungen der Lehrerinnen und Lehrer am jeweiligen Standort durch die Pädagogische Hochschule in Abstimmung mit der Bildungsdirektion und der Stadt Graz.

Lückenlose Stärkenorientierung
Voraussetzung dafür ist das Kennen der eigenen Stärken als Grundlage für die Persönlichkeitsentwicklung – kontinuierlich und nicht nur punktuell. Der Grazer Stärkenpass wurde dafür entwickelt, pilotiert und soll nun evaluiert, weiterausgebaut und weiter ausgerollt werden. Durch Kooperationen kann die Entwicklung von Stärken zusätzlich vertieft werden – natürlich unter Sicherstellung zeitgemäßer Rahmenbedingungen für eine vertrauensbildende Lernumgebung (Pädagogikausbildung, Gesundheit).
Neben der Stärkenorientierung soll in der Bildungsstrategie auch die systematische Begabungs-, Begabten- und Exzellenzförderung abgebildet sein. Die Entwicklung herausragender Begabungen sichert diese Position von Graz als führende Forschungsregion für die Zukunft.

Ausbau und Strukturierung der Grazer Bildungsräume (Cluster und Campusse)
In Abstimmung mit der Bildungsdirektion soll geprüft werden, ob Schulen in räumlicher Nähe zu wirkungsvolleren und effizienteren Bildungseinheiten (auch schulartenübergreifend) zusammengefasst werden können. Wichtig ist insbesondere die Durchgängigkeit von Angeboten (z. B: VS Musik/ MS Musik/AHS Musik), um Schwerpunkte die ganze Bildungskarriere hinweg zu ermöglichen. Ergebnisoffen ist zu diskutieren, ob damit auch eine organisatorische Einheit einhergehen soll. Sind elementarpädagogischen Einrichtungen in der Nähe können zusätzlich Bildungscampusse mit klarer Profilbildung entwickelt werden. Damit sollen die Übergänge zwischen elementarpädagogischer Einrichtung und Primarstufe der Schule gut gestaltet werden.
Zielgerichtetes BildungskundInnenmanagement
Die erfolgreich agierende ABI-Servicestelle als ein Ergebnis der Bildungsstrategie 2013-2020 soll in der Wirkung noch treffsicherer weiterentwickelt werden. Dabei soll insbesondere auf die Bedürfnisse des KundInnentypus eingegangen werden, z.B. durch:
– Persönliche Beratung für Unterstützungssuchende
– Trainingsangebote für volatile KundInnen für einen sicheren, vertrauensbildenden Umgang mit eGovernment Lösungen.
– Plattformen für Selbstwirksame im modernen Styleguide 3.0 mit eWallet-, validierten Daten-anbindungen für fortschrittlich-attraktive 24/7 KundInnenschnittstellen.

Foto: Stadt Graz/Fischer
v.l. Günter Fürntratt (Abteilungsvorstand Bildung und Integration), Kurt Hohensinner (Bildungsstadtrat), Michaela Marterer (Geschäftsführerin Steirische Volkswirtschaftliche Gesellschaft), Hans Christian Haberl (Direktor Mittelschule Straßgang)