Die aktuellen Pläne der Kahr-Regierung für eine neue Messehalle werfen mehr Fragen auf, als sie beantworten. Bevor man über den Bau einer weiteren Halle spricht, braucht es endlich ein tragfähiges inhaltliches Konzept, wohin sich die Grazer Messe überhaupt entwickeln soll. Die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Wollen wir künftig stärker auf internationale Kongresse setzen? Soll die Messe ein Ort für hochwertige Fachmessen werden? Oder soll sie weiterhin ein rein regionaler Veranstaltungsstandort sein? Ohne klare strategische Ausrichtung ist jeder Neubau ein Blindflug. Hinzu kommt die finanzielle Realität, die von der Stadtregierung gerne ausgeblendet wird: Die Messe Graz befindet sich in einer der schwierigsten wirtschaftlichen Situationen der letzten Jahrzehnte. Die Verluste der vergangenen Jahre, die massiven Mehrkosten im laufenden Betrieb und die fehlenden Reserven zeigen deutlich, dass derzeit jeder Euro zweimal umgedreht werden muss. In einer Phase, in der die Messe wirtschaftlich kaum stabilisiert ist, und ohne inhaltliches Konzept, eine neue Halle zu planen, ist nicht verantwortungsvoll. Bevor weitere Millionen in eine zusätzliche Infrastruktur gesteckt werden, braucht es Klarheit über das Gesamtkonzept, eine solide Finanzstrategie und vor allem Antworten darauf, wie die Messe Graz wieder nachhaltig erfolgreich werden soll. Alles andere wäre eine Fortsetzung jener Politik, die Probleme ignoriert, statt sie zu lösen.“