Eine moderne und gerechte Gesellschaft erkennt die Bedeutung der älteren Generation an. Seniorenfreundlichkeit und der Kampf gegen Altersdiskriminierung sind zentrale Bausteine dafür. Sie ermöglichen es älteren Menschen, gleichberechtigt am täglichen Leben teilzunehmen. Der Blick auf Graz zeigt: Es gibt bereits positive Ansätze, aber auch Handlungsbedarf.
Graz: Positive Entwicklungen für Seniorinnen und Senioren
Graz hat in den vergangenen Jahren einige Maßnahmen gesetzt, um seniorenfreundlicher zu werden:
- Das Sozialamt bietet eine eigene Infostelle für persönliche Beratung, abseits rein digitaler Angebote.
- Das Amt für Jugend und Familie ist werktags bis 16:00 Uhr mit Personal besetzt, damit erreichbar persönlich, telefonisch oder digital.
- Das SeniorInnenbüro organisiert Smartphone- und Tablet-Kurse.
- Bei der Umstellung auf ID Austria wird persönliche Unterstützung in den Servicestellen der Stadt Graz angeboten.
Diese Maßnahmen zeigen: Bürgernähe und Unterstützung im Alltag sind möglich und notwendig.
Digitalisierung: Fortschritt mit Schattenseiten
Während der Corona-Pandemie wurde vieles zwangsläufig digitalisiert, auch in der öffentlichen Verwaltung. Digitale Angebote sicherten den Zugang zu Dienstleistungen trotz Lockdowns. Drei Jahre später zeigt sich jedoch: Was damals nötig war, wird für viele ältere Menschen heute zur Hürde.
Digitale Verwaltung: Chancen nur mit Alternativen
Eine moderne Stadtverwaltung muss auf die Herausforderungen älterer Menschen im digitalen Raum reagieren. Dabei sind drei Punkte zentral:
- Niederschwelliger Zugang: Viele Seniorinnen und Senioren haben wenig Erfahrung mit digitalen Technologien. Angebote müssen benutzerfreundlich und einfach sein.
- Erhalt der Selbstständigkeit: Analoge Alternativen fördern Unabhängigkeit und Lebensqualität.
- Gesellschaftliche Teilhabe: Ohne Zugang zu Behörden, Information und Dienstleistungen droht soziale Isolation.
Immer mehr Betroffene wenden sich an Seniorenvertretungen oder die Antidiskriminierungsstelle und fordern: digitale Lösungen ja – aber nicht ohne analoge Alternativen!
Alltagstaugliche Beispiele für Altersdiskriminierung
Altersdiskriminierung findet oft schleichend statt. Einige aktuelle Beispiele aus Graz und darüber hinaus:
- Terminvergabe bei Finanzamt oder Bezirkshauptmannschaften nur mehr online.
- Automatisierte, KI-gestützte Formulare ohne persönliche Hilfe.
- Ermäßigungen (z. B. ÖBB-Tickets) nur online buchbar.
- Fahrplanauskünfte der ÖBB oft ausschließlich digital.
Wer keinen Internetzugang hat oder sich in der digitalen Welt nicht zurechtfindet, ist zunehmend ausgeschlossen.
Stadtrat Hohensinner fordert Alternativen
„Digitalisierung und Entbürokratisierung sind wichtig und richtig. Es wird aber immer Menschen geben, die auf Hilfe angewiesen sind“, betont Stadtrat Kurt Hohensinner. Eine Lösung wäre einfach: Vor-Ort-Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, wie sie in Graz bereits in Servicecentern angeboten wird.
Hohensinner weiter: „Eine moderne Stadtverwaltung braucht digitale Innovation, aber auch die Vision, wie alle Generationen mitgenommen werden. Nur dann können alle Bürgerinnen und Bürger aktiv und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.“ Der Stadtrat fordert zudem die Entwicklung einer stadtweiten Seniorenstrategie, die klare Ziele und konkrete Maßnahmen definiert, um die Lebensqualität älterer Menschen langfristig zu sichern und weiter auszubauen.
Appell der Antidiskriminierungsstelle
Auch Daniela Grabovac, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Steiermark, betont die Dringlichkeit des Themas:
„In einer schnelllebigen Zeit, die vieles auf einen Klick möglich macht, wird darauf vergessen, dass die Geschwindigkeit des technischen Fortschrittes einigen Menschen keine Möglichkeit bietet, mitzukommen und damit von der Banküberweisung, Briefsendung, Beförderung bis zur Terminvereinbarung bei Behörden ausschließt. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, die befürchten, damit bald nicht mehr Teil unserer Gesellschaft zu sein. Wir sollten den Fehler nicht begehen, im digitalen Zeitalter den Menschen, die ein Recht auf analoges Leben fordern, dieses zu verweigern.“
Dringlicher Antrag im Gemeinderat
Um auf die Herausforderungen aufmerksam zu machen und Verbesserungen einzuleiten, bringt Seniorenbund-Obmann und ÖVP-Gemeinderat Georg Topf einen dringlichen Antrag in den Gemeinderat ein. Ziel:
- Verbesserung der Barrierefreiheit,
- bessere Integration älterer Menschen in den öffentlichen Verkehr,
- Prüfung sämtlicher Leistungen der Stadt Graz auf ihre Seniorenfreundlichkeit.
„Als Grazer Volkspartei sind und waren wir Ansprechpartner für ältere Menschen. Ihre Bedürfnisse müssen in der Verwaltung stärker berücksichtigt werden“, so Topf.