Hohensinner: „Wir müssen Schule neu denken“

Nach Amoklauf in Graz startet Expertenrunde für mehr Sicherheit an Schulen

Der Amoklauf am vergangenen Dienstag im BORG Dreierschützengasse hat Graz, die Schulgemeinschaft und das ganze Land tief erschüttert. Bildungsstadtrat Kurt Hohensinner zeigt sich betroffen: „Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien, den Schülern, Lehrkräften und Einsatzkräften. Dieses tragische Ereignis markiert einen Wendepunkt – für das Schulsystem in Graz, aber auch in ganz Österreich.“

Sicherheit neu denken – Expertenrunde eingesetzt

Aus Verantwortung gegenüber allen Kindern und Jugendlichen hat Hohensinner gemeinsam mit der Bildungsdirektion Steiermark umgehend eine Expertenrunde einberufen, die am vergangenen Freitag das erste Mal getagt hat. Ziel: Schulen als sichere Orte weiterzuentwickeln, sowohl baulich als auch im psychosozialen Bereich und in organisatorischen Abläufen. „Die 100-prozentige Sicherheit wird es leider nie geben. Unser Anspruch muss aber jetzt sein, mit unterschiedlichen Maßnahmen die Sicherheit spürbar und nachhaltig zu erhöhen. Es geht um den Schutz von Leben und Gesundheit. Wir brauchen einerseits bauliche Maßnahmen und mehr Prävention. Andererseits auch klare, eingeübte Reaktionen auf Gefahrenlagen. Schulen sollen Orte des Lernens und der Entfaltung sein. Aber eben auch Orte, an denen sich Kinder und Jugendliche sicher fühlen“, so der Bildungsstadtrat.

Diesen Zugang unterstreicht auch Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner: „Als Bildungsdirektion setzen wir auf Konzepte, die Verantwortung, Empathie und konstruktive Konfliktlösung fördern – sowie auf starke Kooperationen, die Schulen stärken und ein sicheres Umfeld für alle SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern schaffen. Denn ein stabiles Schulklima entsteht durch soziales Miteinander, Beziehung, Reflexion und frühzeitige Unterstützung. Schulen müssen Orte der Begegnung, des Lernens, der Fürsorge und des Vertrauens bleiben – auch in einer Welt, die zunehmend von Unsicherheit geprägt ist.“

Diskussionspunkte: Von baulichen Lösungen bis zu psychosozialem Ausbau

Der Prozess ist breit angelegt. Einige erste Diskussionspunkte wurden bereits angesprochen, so etwa:

  • Zutrittsschutz und bauliche Sicherheit: Etwa durch erweiterte Schließsysteme, wie sie bereits in städtischen Kinderbetreuungseinrichtungen erfolgreich etabliert sind.
  • Sichere Rückzugsräume in Schulgebäuden, die baulich bzw. deren Türen besonders geschützt sind und außerdem ausgestattet mit Notfallmaterialien wie Verbandskästen
  • Sicherung von Schulgrundstücken und sensiblen Innenräumen.
  • Sonderpaket Schulsozialarbeit: Aufstockung der Schulsozialarbeit, um Ressourcen für alle Schulen im Stadtgebiet bereitstellen zu können.
  • Ausbau psychosozialer Unterstützung: Mehr Schulpsycholog:innen sowie Ausbau und stärkere Kooperation mit den Präventionsbeamten der Polizei.
  • Alarmsysteme und Schulungen: Interne Warnsysteme via Lautsprecher oder App sowie verpflichtende Krisen- und Notfallübungen analog zu Brandschutzübungen.

 Erste Umsetzungsschritte noch im neuen Schuljahr

„Der Prozess wird breit, differenziert und fachlich fundiert geführt. Aber ich will auch rasch konkrete Verbesserungen. Erste sichtbare Maßnahmen sollen bereits im kommenden Schuljahr umgesetzt werden“, kündigt Hohensinner an. Dabei ist klar: Volksschulen und Gymnasien stellen unterschiedliche Anforderungen. Zudem sind in Graz sowohl die Stadt (Pflichtschulen) als auch der Bund (höhere Schulen) zuständig. „Gerade deshalb braucht es ein gemeinsames Vorgehen“, so der Stadtrat.

 Graz als Vorreiter

Die Teilnehmer des ersten Treffens waren sich einig: Graz soll nun mit den richtigen und notwendigen Maßnahmen vorangehen und Vorbild für andere Kommunen in der Steiermark und vielleicht Österreich werden. „Was wir hier entwickeln, soll auch der Steiermark und ganz Österreich helfen“, so Hohensinner abschließend.