2025: Wachstum mit Herausforderungen
Mit 1.465.754 Nächtigungen verzeichnet Graz im Jahr 2025 einen Anstieg um 5,2 % bzw. rund 72.500 zusätzliche Nächtigungen gegenüber dem Vorjahr. Damit wurde ein neuer Bestwert erreicht. Gleichzeitig war das Bettenangebot in der Stadt so hoch wie nie zuvor, und auch der gemeinsame Werbedruck (Tourismusverband Region Graz gemeinsam mit Steiermark Tourismus) erreichte ein Rekordniveau.
Wachstum ja – aber Auslastung unter Druck
Die erfreulichen Zuwächse konnten die Kapazitätserweiterungen – vor allem im Jahr 2024 – jedoch noch nicht vollständig kompensieren. Der Rückgang der Auslastung wirkt sich unmittelbar auf die durchsetzbaren Preise und damit auf die Ertragslage der Betriebe aus. Dies bestätigt auch eine kürzlich bei Kohl & Partner beauftragte Hotelpreis-Studie. Besonders herausfordernd bleibt dabei die wirtschaftliche Bewältigung des ersten Quartals.
Märkte: Stabil im Inland, die Internationalisierung nimmt weiter zu
Der Inlandsmarkt entwickelte sich mit +1,8 % stabil, der wichtigste internationale Markt Deutschland legte um +3,2 % zu. Der gemeinsame Marktanteil dieser beiden Hauptmärkte sank jedoch von knapp 63 % auf rund 61 %Während im Vorjahr vor allem Polen starke Zuwächse verzeichnete, sorgten 2025 insbesondere folgende Märkte für Dynamik. Polen bleibt mit einem Marktanteil von 3,1 % aber weiterhin auf Rang drei der Nationenstatistik und liegt damit knapp vor Italien. Lediglich in den Niederlanden musste ein leichter Rückgang (-1,1 %) hingenommen werden.
- Ungarn +37,6 %
- Kroatien +32,9 %
- Slowenien +27,5 %
- China +65,3 %
Saisonen: schwieriger Start, Sommer stark, Herbst & Advent gewinnen weiter.
Die stärksten Monate bleiben Juli und August. Auch der September etabliert sich zunehmend als „echter“ Reisemonat. Der Oktober entwickelt sich – nicht zuletzt durch die Herbstferien – ebenfalls erfreulich.
Der Advent startete im November verhalten, steigerte sich aber im Dezember spürbar.
Kapazitäten: deutlicher Ausbau binnen zwei Jahren
Im Dezember 2025 lagen die Bettenkapazitäten in Graz um rund 19,2 % oder rund 1.750 Betten über dem Vergleichswert aus dem Dezember 2023. Im selben Zeitraum stiegen die Nächtigungen um 13 %.
Kapazitätsentwicklung nach Segmenten (letzte zwei Jahre):
- 4-Stern: + 880 Betten (+22,5 %)
- 3-Stern: + 185 Betten (+10,1 %)
- 2/1-Stern: + 100 Betten (+9,8 %)
- Ferienwohnungen: + knapp 600 Betten (+75,5 %)
Geschäfts- und Kongresstourismus: unterschiedliche Dynamik
Die Geschäftsreisetätigkeit liegt nicht nur deutlich unter dem Vor-COVID-Niveau, sondern ist im gesamten Großraum stark von den Herausforderungen in der Industrie – insbesondere der Auto-Zulieferindustrie – beeinträchtigt. Eine rasche Besserung ist derzeit nicht in Sicht.
Der Kongresstourismus hat sich grundsätzlich stabilisiert: Die Zahl größerer Tagungen erreicht wieder ein erfreuliches Niveau. Gleichzeitig waren Kongresse 2025 häufiger durch sinkende Teilnehmerzahlen und kürzere Dauer gekennzeichnet. Positiv ist, dass es zunehmend gelingt, Tagungen auch außerhalb der klassischen Kongressmonate (Mai/Juni sowie September/Oktober) zu gewinnen.
Beim Convention Bureau Graz wurden für 2025 212 Tagungen mit mehr als 100 Teilnehmenden gemeldet (2024: 197). Die Teilnehmerzahl sank jedoch von rund 63.500 auf 53.400.
Freizeitsegment kompensiert Rückgänge
Das Segment des klassischen Städte- und Kulturtourismus (Leisure-/Privatreisen) konnte Rückgänge aus den Bereichen Geschäftsreise sowie Seminar/Kongress überkompensieren. Zahlreiche Kultur-, Sport- und sonstige Veranstaltungen sorgten für eine starke Gästedynamik – zum Jahresende insbesondere Grazer Advent und Silvesterveranstaltungen. Auch Gruppenreisen waren über das gesamte Jahr hinweg deutlich spürbar.
Tourismus- und Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP):
„Graz legt 2025 bei den Nächtigungen zu. Das ist ein positives Signal für die Attraktivität unserer Stadt. Gleichzeitig muss man das Ergebnis richtig einordnen: Wachstum allein reicht nicht, wenn die Betriebe bei steigenden Kapazitäten und sinkender Auslastung unter Druck geraten. Genau deshalb braucht es eine klare Zukunftsstrategie statt Schönreden: Wir müssen Graz als Ganzjahresstadt stärken, damit vor allem die schwächeren Monate wirtschaftlich tragfähig werden, und wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, damit Betriebe investieren können und die Qualität hält. Dafür muss die Stadtpolitik die Rahmenbedingungen liefern: Erreichbarkeit, Aufenthaltsqualität und eine Innenstadt, die wieder mehr Anziehungskraft und Frequenz gewinnt. Außerdem brauchen wir starke Kongresse und Messen sowie eine aktive Standortpolitik, die der Wirtschaft jenen Stellenwert einräumt, den sie verdient. Nur so schaffen wir nachhaltigen Erfolg für unsere Hotellerie und sichern unternehmerischen Erfolg und Arbeitsplätze in unserer Stadt. Unser Anspruch muss sein: nicht nur Rekorde zählen, sondern Graz wirtschaftlich wetterfest machen.“
Sylvia Loidolt, Vorsitzende & Susanne Haubenhofer, Geschäftsführerin – Erlebnisregion Graz
„Mit der starken Sichtbarkeit auf zehn Herkunftsmärkten und dem klaren Fokus auf Internationalisierung setzen wir auf reichweitenstarke Kampagnen, die auch abseits des klassischen Marketings Aufmerksamkeit für unsere Destination schaffen. Parallel dazu wird das Leisure- und Privatreisesegment weiter ausgebaut, neue Zielgruppen erschlossen und das freizeittouristische Angebot nachhaltig weiterentwickelt. Ein zentraler Erfolgsfaktor bleibt zudem die konsequente Unterstützung bewährter Veranstaltungsformate aus Kultur, Kulinarik & Sport sowie die Etablierung neuer Formate, um auch auslastungsschwächere Zeiten gezielt zu beleben.“
Dieter Hardt-Stremayr, Geschäftsführer der Graz Tourismus und Stadtmarketing Gesellschaft:
„Leisure- bzw. Privatreisen haben in den vergangenen Jahren spürbar dazu beigetragen, Rückgänge im Business- und Kongressbereich zu kompensieren. Geschäftsreisen bleiben zwar ein herausforderndes Feld, gleichzeitig liegen für Graz als Universitäts- und Forschungsstadt große Chancen im Kongress- und Tagungsmarkt. Ziel ist klar: mehr Tagungen, größere Teilnehmerzahlen und ein stärkerer Fokus auf Veranstaltungen in auslastungsschwachen Zeiten – damit Graz auch außerhalb der Spitzenmonate nachhaltig profitiert.“