Fünf Millionen Euro Steuergeld sollen zusätzlich in diese Messe Graz fließen. Warum weiß niemand. In der Finanzausschusssitzung diese Woche wurden lediglich mangelhafte Informationen vorgelegt. Bis heute wurde dem Gemeinderat weder eine klare Strategie für den Messestandort noch ein vollständiger Business Plan vorgelegt. Jahr für Jahr schreibt die Messe Verluste, trotzdem sollen erneut zusätzliche öffentliche Mittel fließen. Ohne klare Strategie, ohne wirtschaftliche Perspektive und ohne nachvollziehbare Entscheidungsgrundlagen wird Geld nachgeschossen.
Kurt Hohensinner bringt es auf den Punkt:
„Bis heute liegt kein vollständiger Businessplan auf dem Tisch, obwohl die Messe Jahr für Jahr Millionenverluste schreibt. So kann man mit öffentlichen Mitteln nicht umgehen. Die Messe braucht endlich eine klare wirtschaftliche Strategie.“
Dabei ist die Messe Congress Graz ein zentraler Bestandteil des Wirtschaftsstandorts Graz und ein wichtiger Faktor für Tourismus, Handel und Gastronomie. Gerade deshalb wäre eine klare strategische Ausrichtung notwendig. Die Realität zeigt jedoch ein anderes Bild: Zwischen 2021 und 2024 summierten sich die Verluste auf über 23 Millionen Euro. Trotz steigender Umsätze ist es nicht gelungen, eine nachhaltige Trendwende einzuleiten. Statt Sanierung gibt es Stillstand, statt Strategie Chaos.
5 Millionen Euro für über 20 Rechtschreib- und Tippfehler
Was dem Finanzausschuss vorgelegt wurde, ist ein „Überblick zum Businessplan“. Auf diesen zwei Seiten finden sich über 20 Rechtschreib- und Tippfehler. Dass mit einer solch fragwürdigen Unterlage 5 Millionen Euro gerechtfertigt werden sollen, ist eine Farce. Inhaltlich kommt das Papier ohne strategische Tiefe und ohne nachvollziehbare wirtschaftliche Herleitung aus. Es fehlen eine Markt- oder Branchenanalyse ebenso wie Szenariorechnungen. Risiken werden nicht bewertet, Umsatzprognosen nicht erklärt, Zielgrößen sind nicht überprüfbar definiert. Weder eine klare Positionierung der Messe noch Prioritäten bei Investitionen sind erkennbar. Statt belastbarer Planung finden sich optimistische Annahmen und Zahlen, deren Grundlage nicht nachvollziehbar ist.
Dass diese Unterlage keine tragfähige Entscheidungsbasis darstellt, wird auch daran deutlich, dass laut Eigendarstellung der Messe das EBITDA bis weit in 2030er-Jahre negativ bleibt. Ein positiver Cashflow soll primär durch Tilgungsaufschübe, Zinszuschüsse und weitere öffentliche Mittel entstehen. Die Messe würde damit dauerhaft vom Steuerzahler abhängig bleiben.
Hohensinner kritisiert diesen Zugang deutlich:
„Die Koalition spricht von Zukunft, liefert aber keinen belastbaren Plan. Personalentscheidungen ersetzen keine wirtschaftliche Perspektive. Wer Verantwortung trägt, muss transparent zeigen, wie die Messe langfristig stabil werden soll.“
Der politische Umgang mit der Messe verstärkt den Eindruck von Orientierungslosigkeit und Chaos in der Ausrichtung der Stadt. In den vergangenen Monaten folgten Personalentscheidungen, Abberufungen und Kündigungen in rascher Abfolge. Angekündigt wurde vieles, geliefert wurde wenig. Eine übergeordnete wirtschaftliche Linie ist bis heute nicht erkennbar.
25 Millionen Euro Hallen-Neubau und keiner weiß Bescheid
Besonders brisant ist die plötzlich erhobene Forderung nach einer neuen Halle C um rund 25 Millionen Euro. Bis zu einer Mediengeschichte wusste davon kaum jemand. Selbst Teile der Stadtregierung und zahlreiche Spitzenbeamte zeigen sich überrascht und warten bis heute auf belastbare Informationen. Unklar bleibt, welches Alleinstellungsmerkmal diese Halle haben soll und warum sie zusätzliche Nachfrage schaffen würde, anstatt Konkurrenz für bestehende Grazer Veranstaltungsstandorte zu schaffen. So würde die Halle in etwa die selbe Größe haben, wie derzeit die Helmut-List-Halle. Auch ein bis dahin ausgebauter VIP-Klub im Stadion müsste mitberücksichtigt werden.
Dazu warnt Hohensinner:
„Eine Hallen-Großinvestition ohne Markt- und Konkurrenzanalyse ist ein enormes Risiko, vor allem in finanziell schwierigen Zeiten. Wir dürfen nicht Millionen investieren, um am Ende Grazer Standorte zu konkurrenzieren. Jede Investition muss zusätzlichen Nutzen schaffen, sonst ist sie nicht zu rechtfertigen.“
„Kahr und Eber verlangen Millionen vom Steuerzahler, ohne einen belastbaren Businessplan vorzulegen. Das ist keine Wirtschaftspolitik, das ist Blindflug. ‚Erst zahlen, dann hoffen‘ ist keine Strategie. Eine Stadt kann man so nicht führen“, hält Hohensinner fest.
Seine Kritik an der politischen Führung ist unmissverständlich:
Statt Strategie und Führung liefern Kahr und Eber Chaos
Und abschließend: „Die Messe braucht Strategie und Führung. Kahr und Eber liefern Chaos. Diese Planlosigkeit kostet Graz viel Geld und noch mehr Vertrauen.“
Für den Wirtschaftsstandort Graz ist damit klar: Die Stadt braucht eine Messe mit Zukunft, mit klarer strategischer Positionierung und verantwortungsvollem Umgang mit Steuergeld – nicht jahrelanges Krisenmanagement ohne Konzept.