Kurswechsel im Verkehr: Hohensinner-Plan für Mobilität in Graz

Heute habe ich im Rahmen einer Pressekonferenz gemeinsam mit dem Verkehrsexperten Kurt Fallast und dem bekannten Grazer Architekten Guido Strohecker unser umfassendes Mobilitätskonzept für Graz präsentiert.

Die Ausgangslage ist klar und für viele Grazerinnen und Grazer tagtäglich spürbar: Dauerstau, Parkplatzmangel und eine immer schwierigere Erreichbarkeit belasten den Alltag in unserer Stadt. Die Verkehrspolitik der vergangenen Jahre hat diese Probleme nicht gelöst – im Gegenteil: Vieles wurde noch verschärft.

Ich sage klar: „So kann es nicht weitergehen!“

Rund 2.000 gestrichene Parkplätze ohne adäquaten Ersatz, zunehmendes Baustellenchaos und eine Verkehrspolitik, die die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer gegeneinander ausspielt, haben in den vergangenen Jahren zu wachsendem Frust geführt. Unser Zugang ist daher ein anderer: Wir wollen Mobilität in Graz neu denken – nicht durch Verbote und Verdrängung, sondern durch ein durchdachtes Gesamtsystem, das funktioniert.

Mein Ziel für Graz ist eine Verkehrspolitik mit Hausverstand: weniger Stau, weniger Stress im Alltag und vor allem wieder eine verlässliche Erreichbarkeit für alle Grazerinnen und Grazer.

Auch unsere Experten haben heute deutlich gemacht, dass es sich in Graz nicht um ein einzelnes Verkehrsproblem handelt, sondern um ein strukturelles Defizit. Graz verfügt derzeit über vergleichsweise wenige öffentlich zugängliche Garagenplätze. Gleichzeitig ist ein großer Teil der bestehenden Garagen langfristig vermietet, sodass oft nur ein kleiner Teil der Stellplätze tatsächlich für Kurzparker verfügbar ist. Die Folge ist ein massiver Parkplatzsuchverkehr, der unnötige Fahrten verursacht, das Straßennetz belastet und Staus zusätzlich verschärft.

Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Ohne ein intelligentes Zusammenspiel aus Park-&-Ride-Anlagen, zentrumsnahen Garagen und moderner Verkehrslenkung wird sich die Situation in Graz nicht verbessern.

Genau hier setzt unser Konzept an. Unser strategischer Zugang lautet: Parkplätze gezielt aus dem Straßenraum verlagern – hin zu Garagen und an strategische Verkehrsknotenpunkte. Das bringt gleich mehrere Vorteile: Der Verkehr kann effizienter organisiert werden, der Parkplatzsuchverkehr wird reduziert und gleichzeitig entsteht im öffentlichen Raum wieder mehr Platz für Menschen, Grünflächen und Aufenthaltsqualität.

Im Zentrum unseres Konzepts stehen mehrere konkrete Standorte:

Webling ist das Herzstück unseres Modells im Süden von Graz. Dort soll aus einer bestehenden Anlage mit rund 219 Stellplätzen eine moderne Hoch- und Tiefgarage mit 1.000 bis maximal 6.000 Stellplätzen entstehen. Durch die direkte Anbindung an Autobahn, Buslinien und eine verlängerte Straßenbahnlinie könnte hier ein leistungsfähiger Mobilitätsknoten geschaffen werden, der täglich zehntausende Einpendler bereits vor dem Stadtgebiet abfängt.

Am Standort Graz Ost / Ostbahnhof ist eine neue Hoch- und Tiefgarage mit rund 1.100 Stellplätzen vorgesehen. Die Nähe zum Ostbahnhof, zur Straßenbahnlinie 4 und zum Radwegenetz macht diesen Standort besonders attraktiv für Pendler, Besucher des Messebereichs und Veranstaltungsverkehr.

Im Bereich Don Bosco ist eine Hybridgarage mit rund 2.000 Stellplätzen geplant. Dank der Anbindung an Bahnhof, Buslinien und künftig auch die Straßenbahn soll dort ein zentraler Umstiegspunkt für den Westen von Graz entstehen.

Auch in der Innenstadt setzen wir auf gezielte Entlastung

Am Andreas-Hofer-Platz soll die bestehende Garage durch einen Neubau ersetzt und auf rund 400 Stellplätze erweitert werden. Damit könnte der innerstädtische Verkehr besser gebündelt und organisiert werden.

Am Lendkai 99 ist eine neue Tiefgarage mit rund 400 Stellplätzen vorgesehen. Diese soll vor allem als Quartiersgarage und für Besucher der Innenstadt dienen und den Parkdruck im dicht bebauten Bereich deutlich reduzieren.

Im Norden der Stadt planen wir in Andritz eine neue Park-&-Ride-Anlage mit rund 1.000 Stellplätzen. Durch die Anbindung an die Straßenbahnlinien 3 und 5 sowie an zentrale Radverbindungen könnte dort ein leistungsfähiger Umstiegspunkt für Pendler geschaffen werden. Alle Parkgaragen sollen aus unserer Sicht ein modernes Leihradsystem erhalten, um auch Park&Bike zu ermöglichen. Gerade in Andritz ein wesentlicher Mehrwert.

Auch Gösting spielt in unserem Konzept eine wichtige Rolle. Der bestehende Standort soll erweitert werden und künftig rund 1.000 Stellplätze bieten. Mit der Anbindung an S-Bahn, Bus und die geplante Straßenbahnlinie entsteht auch dort ein strategisch wichtiger Knotenpunkt zur Reduktion des Verkehrs in Richtung Innenstadt.

Beim Murpark wollen wir ein bereits erfolgreiches System gezielt ausbauen. Die bestehende Park-&-Ride-Anlage soll um rund 500 zusätzliche Stellplätze erweitert werden, um den starken Pendlerverkehr aus dem Süden künftig noch besser abzufangen.

Ein zentraler Bestandteil unseres Konzepts ist außerdem ein modernes Parkleitsystem. Es soll freie Stellplätze in Echtzeit anzeigen und Verkehr gezielt lenken. So können unnötige Umwege vermieden und der Parkplatzsuchverkehr – einer der Hauptgründe für Staus in Graz – deutlich reduziert werden.

Für mich ist klar: Eine funktionierende Verkehrspolitik darf nicht einzelne Gruppen gegeneinander ausspielen. Sie muss alle Verkehrsteilnehmer ernst nehmen und praktikable Lösungen schaffen.

Darum setzen wir auf Angebote statt Verbote,Vernunft statt Ideologie,Planung statt Stückwerk.

Mit dem heute präsentierten Mobilitätskonzept zeigen wir ganz konkret, wie ein solcher Kurswechsel für Graz aussehen kann: mit realistischen Maßnahmen, klaren Zielen und einem Zugang, der die Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Graz braucht eine Verkehrspolitik, die funktioniert. Genau dafür stehen wir.